Das Geschäft mit der Angst

Die Stiftung Warentest warnt vor Nahrungsergänzungsmitteln für Kinder. Überdosierungen an Vitaminen und Mineralstoffen können zu Gesundheitsschäden führen.

(27.03.2025) Sie sind bunt und kommen in altersgerechten Formen daher: Nahrungsergänzungsmittel für Kinder. Die Hersteller bewerben ihre Produkte mit bunten Bildern und Comicfiguren sowie zahlreichen Wirkversprechen. So sollen die Gummidrops, Geleebonbons und Lutschpastillen die „gesunde, geistige Entwicklung fördern“ und die „normale Funktion des Immunsystems ankurbeln“. – Alles leere Versprechen, wie jetzt eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt.

Der Bereichsleiter für Untersuchungen, Holger Brackemann, sprach bei einer Pressekonferenz in Berlin von einem „Geschäft mit der Angst“. Denn neben den gesundheitlichen Risiken, die Nahrungsergänzungspräparate für Kinder mit sich bringen, sei der wirtschaftliche Aspekt für die Unternehmen immens: So stieg der Umsatz bei entsprechenden Produkten von 2018 bis Anfang 2024 um 35 Prozent auf 3,12 Milliarden Euro, wie die Stiftung Warentest weiter mitteilte. Und: Mehr als fünf Prozent aller 6- bis 11-Jährigen in Deutschland bekommen Nahrungsergänzungsmittel.

Das aktuelle Heft der Stiftung Warentest mit der Untersuchung der Nahrungsergänzungsmittel für Kinder und den Testergebissen gibt es ab dem 27. März 2025.

Im Test waren insgesamt 18 Produkte verschiedener, teils namhafter Hersteller. Das Gesamtergebnis bezeichneten die Experten als „alarmierend“: Nur ein Produkt war ohne Mängel – und das, weil es lediglich Vitamin D enthielt. 15 untersuchte Produkte überschritten die empfohlenen Mengen an Vitaminen und Mineralstoffe, fünf überstiegen deutlich die empfohlenen Grenzen für Vitamine und insbesondere Kupfer, so dass es zu einer entsprechenden Überdosierung kommen kann.

In der Folge könne es langfristig zu einer Schädigung der Leben kommen, sagte Brackemann. Zu viel Vitamin A könne Kopfschmerzen und ebenfalls Leberprobleme verursachen.

Die Stiftung Warentest schließt sich in ihrem Urteil daher den Forderungen der Bundeszentrale Verbraucherschutz an: Eine strengere Regulierung der Produkte ist überfällig. Es bedürfe dringend einer rechtlichen Grundlage, welche auf Basis wissenschaftlich fundierter Studien spezifische Höchstmengen definiert.

Zudem sollten Eltern wissen: Es gibt keine allgemeine oder grundsätzliche Unterversorgung bei Kindern mit Vitaminen und Mineralstoffen. Daher sind die Produkte unnötig. Eine Unterversorgung kann allerdings bei bestimmten Personengruppen, wie Veganer, Schwangeren oder Menschen, die sich vornehmlich im Haus aufhalten, auftreten. Hier sollte eine Unterstützung durch entsprechende Präparate allerdings durch den Arzt empfohlen und begleitet werden. (Bild: pixabay.com/Symbolfoto)

Interview zum Thema mit Ressortleiterin Ernährung und Gesundheit bei der Stiftung Warentest, Nicole Merbach, vom 28. März 2025:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert